"Nike", 2007

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Dieser Typ mit dem nach hinten geneigten Kopf wirkt arrogant - scheint sein Gegenüber spöttisch überlegen zu taxieren. Ein frappierender Eindruck - denn der Visitor hält die Augen geschlossen. Archaisch wirkt der Kopf eines Mannes mit dominierender kräftiger Nase und charaktervollem Mund. Androgyn, an einen Fisch erinnernd, dagegen das Antlitz einer Frau. Diese Visitors - kleine Büsten - - schuf die New Yorker Bildhauerin Heather Sheehan. Zu sehen sind sie jetzt sowie Zeichnungen und Fotografien in der Ausstellung Nike in der ART Galerie Scheel in Morsum, Uasterjen 4.

Verblüffend ist die Machart der Visitors: Heather Sheehan verwendet weißen Plüsch, den sie stellenweise glatt rasiert, und modelliert darauf die Gesichtspartien aus durchsichtig scheinendem Kunstharz. "Wenn ich mit der Arbeit beginne, ist alles noch offen, irgendwann gehen die Figuren eine Beziehung mit mir ein, bestimmen ihre Position", beschreibt die sympathisch- charmante Künstlerin ihren Schaffensprozess. DieVisitors,diese rätselhaften Wesen, strahlen eine selbstbewusste, in sich ruhende Würde aus und faszinieren trotz Deformationen in ihrer eigentümlichen Schönheit. Aufgereiht in einer Vitrine kann sich der Galeriebesucher ihnen gegenüber setzen und mit ihnen kommunizieren. Sie laden förmlich zum Dialog und Nachdenken ein, über die Andersartigkeit, die es zu tolerieren gilt. Einem jeden Wesen Respekt zu zollen, das ist die Botschaft der Künstlerin.

Eine völlig andere ästhetische Wirkung erzielen die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien derVisitors. Heather Sheehan hatte den bekannten belgischen Porträtfotografen Bart Michielsen für dieses Projekt gewinnen können. Noch geheimnisvoller erscheinen ihreBeings -in die Welt geworfene embryonale Urwesen mit wissendem Ausdruck, die in ihrer Fragilität unseren Schutz erheischen. Auch sie winzig klein. Vielseitig in der Wahl ihrer formalen und stilistischen Mittel, die sie meisterhaft beherrscht, hat Heather Sheehan ihre Skulpturen auch gemalt. Die Porträts derVisitorsundBeings sind entweder mit kräftigem Zeichenstift umrissenoderin zarten Aquarellen in Braunnuancen getaucht.

Die Bildhauerin liebt die kleine ebenso wie die große Form. Überdimensional ist ihreNike- die Siegesgöttin. Eine archetypische Variante der berühmten antiken Nike von Samothrake. "Mein Modell in Morsum ist in Originalgröße zu sehen. Ich suche noch einen Auftraggeber, umNikein Stein oder Beton, am liebsten natürlich in weißem Marmor bleibende Gestalt zu geben", bekennt sie.

Der menschliche Körper ist von Anfang an das zentrale Thema der 46-jährigen Bildhauerin, Installations- und Performancekünstlerin, die seit 1994 abwechselnd in Köln und New York lebt und in Antwerpen eine Gastprofessur ausübt. Ihre einst amorphen Körper haben sich inzischen zu gestaltförmigen Skulpturen entwickelt.

Übrigens zeigte Heather Sheehan, die in den USA, Japan und Deutschland ausstellt, 2005 erstmals Arbeiten auf Sylt, im KUNSTBAD KEITUM.


Jola Merten


"Visitors", 2007

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Heather Sheehans "Visitors" (Besucher) verblüffen durch ihre Machart. Ausgangspunkt der Kunstwerke sind Schnittmuster. Sheehans Technik erinnert an malträtierte Teddybären, die durch liebevolles Flicken an Charakter gewinnen. Sheehan modelliert Büsten in kleinem Maßstab, die sich durch den Ausdruck ihrer Gesichter Größe und Respekt verschaffen. Diese aus der Fremde aufgetauchten Besucher, ihre in weiß gehaltene Farbigkeit, die teilweise in Kunststoff modellierten Gesichtspartien erscheinen lebendig und tot zugleich. Es blicken uns, auf Augenhöhe platzierte, unbekannte Wesen an und faszinieren trotz teilweiser Deformationen in ihrer eigentümlichen Schönheit. Ihre starke Ausstrahlung verwahren sie vor unseren einvernehmenden neugierigen Blicken. Im Auftrag von Sheehan gelingt es dem Porträtfotografen Bart Michielsen diese Persönlichkeiten für einen Moment zum Leben zu erwecken und diesen Ausdruck an Lebendigkeit festzuhalten. Auf diesem Wege verstärkt Sheehan das Gewicht der Geschichte der "Visitors" ohne sie zu erzählen. Wir können uns ihnen gegenüberstellen und den Ausführungen lauschen, Bekanntschaften machen.


Leo Bettina Roost 150 m3 Largus Projektraum, Köln 2004